„Familienfreundlich“ steht auf fast jeder Platzseite. Es kostet nichts, es zu behaupten. Diese fünf Merkmale kosten etwas – und sind deshalb aussagekräftig.
1. Die Platzordnung
Der ehrlichste Text, den ein Campingplatz veröffentlicht. Dort steht, was wirklich gilt – und der Ton verrät die Haltung.
Ein Platz in Sachsen-Anhalt hat seit 1996 als ersten Paragrafen seiner Ordnung stehen: „Stört Sie Kinderlachen? Sagen Sie es uns. Wir machen Ihnen die Rechnung für die Abreise fertig.“ Das ist eine klare Ansage, und sie sagt mehr als drei Absätze Prospekttext.
Das Gegenteil erkennt man an detaillierten Ruhezeiten am Nachmittag und Ballspielverboten. Beides ist legitim – nur eben nicht für Familien.
2. Die Verkehrsführung
Wichtiger als jeder Spielplatz. Autofreie Bereiche, Schrittgeschwindigkeit, keine Durchgangsstraße mitten durch die Anlage: Das entscheidet darüber, ob Kinder sich frei bewegen können oder ob jemand ständig hinterherlaufen muss.
Prüfpunkt: Dürfen Fahrzeuge während des Aufenthalts bewegt werden, oder gibt es einen zentralen Parkplatz?
3. Das Sanitär
Niedrige Waschbecken, Familienbäder mit ausreichend Platz, Wickelmöglichkeit, warmes Wasser ohne Münzeinwurf am Waschbecken. Klingt banal, entscheidet aber über den Tagesablauf.
Bei kühleren Regionen kommt die Beheizung dazu – morgens um sieben mit einem Vierjährigen in eine unbeheizte Waschzeile ist eine Erfahrung, die man einmal macht.
4. Der Wasserzugang
Bei Plätzen am See oder Meer: Wie ist das Ufer beschaffen, wie schnell wird es tief, sieht man die Badestelle vom Stellplatz aus? Gibt es Aufsicht, und wenn ja, wann?
Wichtig: Ein Naturbadeteich ist kein Schwimmbad. Die Aufsichtspflicht bleibt bei den Eltern, unabhängig davon, was der Platz anbietet.
5. Die Nachtruhe
Nicht ob es sie gibt – die gibt es überall –, sondern wie sie gehandhabt wird. Auf Plätzen mit hohem Dauercamperanteil ist die Durchsetzung oft strenger, weil die Interessen anders liegen.
Weder das eine noch das andere ist falsch. Man sollte nur wissen, welche Sorte Platz man gebucht hat.
Was weniger aussagt, als man denkt
Spielplatz, Hüpfburg, Animationsprogramm. Das gibt es fast überall, und es sagt nichts darüber, wie der Platz mit Kindern umgeht, wenn sie mal laut sind.
Die Platzordnung sagt das. Deshalb steht sie hier an erster Stelle.